Spezialfall Holland-Deutschland
Südniederfränkisch Zwischen der Uerdinger und der Benrather Linie spricht man in einem belgisch-niederländisch-deutschen Gebiet Südniederfränkisch. Dieses Gebiet reicht im Westen fast bis an die Tore Löwens im Brabantischen und erstreckt sich über Eupen, Maastricht und Düsseldorf bis ins Bergische Land.
Linien suggerieren Eindeutigkeit. Die Sprachwirklichkeit aber ist reich an Varianz und an Ausnahmen von den Regeln. In Kempen, einige Kilometer nordwestlich von Krefeld, müsste es nach älteren Untersuchungen ek heißen; die Dialektsprecher und Dialektsprecherinnen benutzen dort heute allerdings ech und ek nebeneinander.
Im limburgischen Waubach, das nordwestlich von Kerkrade liegt und zum Südniederfränkischen gehört, wäre eigentlich Kat ‚Katze' zu erwarten; tatsächlich zu hören ist dort allerdings die Variante Katz wie im Ripuarischen. In Eygelshoven müsste es eigentlich lofe ‚laufen' und Köche ‚Küche' heißen; Eygelshoven liegt einige Kilometer nördlich der Stadt Kerkrade. Vor einem Jahrhundert sprach man dort offensichtlich noch gut Ripuarisch wie in Kerkrade oder Aachen auch. Im Laufe des 20. Jahrhunderts kam die Benrather Linie im Raum Eygelshoven dann aber in Bewegung, so dass in den meisten Fällen heute die südniederfränkischen Varianten benutzt werden; es heißt hier jetzt also lope und Küeke, Water ‚Wasser' und gruet ‚groß'.
Die Wörtchen dat und wat etwa dürften, wenn alles schematisch geregelt wäre, nur im Südniederfränkischen (und nördlich davon) gelten; südlich der Benrather Linie hätten sie sich ‚eigentlich' zu das und was entwickeln müssen. Dat und wat reichen aber nach Süden bis weit über die Mosel hinaus; es sind Reliktwörter im Gebiet mit hochdeutscher Lautverschiebung (Der rheinische Fächer).
Lit.:
Goossens, Jan: Die Gliederung des Südniederfränkischen. Mit 2 Karten. In: Rheinische Vierteljahrsblätter 30, 1965, S. 79-94.
Wijngaard, Ton van de: Zur Benrather Linie in den Niederlanden. In: Volkskultur an Rhein und Maas 15, 1996, H. 3, S. 45-51.